Ostsee Karte Doris Manner
Ostsee Karte Doris Manner

Vineta - Jummne - Jomsburg – Rethra - Ninive – Niniveta

 

Verschiedene Namen der versunkenen Stadt

 „An des Oderstromes Mündung in das Baltische Meer lag einst die sehr angesehene Stadt Vineta, welche den rings wohnenden Barbaren und Griechen einen weitberühmten Stützpunkt bot. Weil zum Preise dieser Stadt viele, oft kaum glaubliche Geschichten umgehen, sei es erlaubt, an einiges Erwähnenswerte zu erinnern. Unter allen Städten, die Europa umfasst, war sie gewiss die größte, von Slawen vermischt mit anderen Griechen- und Barbarenvölkern bewohnte. Ja, auch zureisende Sachsen erhielten die gleiche Erlaubnis zum Aufenthalt, wenn sie nur, solange sie blieben, nicht öffentlich als Christen auftraten.Bis zum Untergange dieser Stadt waren nämlich alle (Bewohner) von heidnischen Bräuchen irregeleitet, sonst aber konnte man an Sitten und Gastlichkeit keine anständigeren und mildherzigeren Leute finden. Reich an Waren aller Länder, besaß jene Stadt alle Annehmlichkeiten und Vorzüge. Ein König der Dänen soll diesen höchst wohlhabenden Platz mit einer sehr großen Flotte angegriffen und völlig zerstört haben. Die Überreste sind noch jetzt vorhanden.Das Meer sieht man dort in dreifacher Gestalt: drei Sunde bespülen nämlich jene Insel, deren einer ganz grünes, der zweite weißliches Aussehen haben soll, während der dritte in fürchterlicher Bewegung durch dauernde Stürme wütet.“

 

So schrieb Helmoldus, ein Pfarrer aus Bosau am Plöner See im 12. Jahrhundert in seiner Slawen-Chronik, cap. 2, über die Stadt Vineta. Etwa ein Jahrhundert davor berichtete Adam, Bischof von Bremen und Hamburg ganz Ähnliches über die Stadt, die er allerdings Jumne nennt: „Ungewöhnliches und kaum Glaubhaftes“ erzählt man über sie, so schreibt er. Und weiter: „Es ist wirklich die größte von allen Städten, die Europa birgt.“ Und er endet ähnlich wie Helmoldus: „ . . .die Insel wird von drei Meeren umspült, eines davon soll von tiefgrünem Aussehen sein, das zweite weißlich; das dritte wogt ununterbrochen wildbewegt von Stürmen.“

 

Zwischen beiden Berichten gibt es einen großen Unterschied: Adam schrieb, dass die Stadt an der Oder-Mündung liegt, nach Helmoldus lag die Stadt an der Oder-Mündung. Nur die Überreste sind noch vorhanden.

 

Am gleichen Ort, auf der Insel Wollin, nahe der Stadt Wollin, lag nach Saxo Grammaticus, der um 1200 die Geschichte der dänischen Könige schrieb, die wikingische Jomsburg. Er beschreibt sie als eine große, feste, wundervoll eingerichtete Seeburg, die im Inneren einen Hafen hatte, in dem dreihundert Langschiffe zugleich liegen konnten. Das Tor zum Hafen wurde mit eisernen Türen verschlossen. Über das Tor zum Hafen ging eine steinerne Brücke. – - - Das musste eine grandiose Burg gewesen sein, die in ihrem Inneren einen Hafen hatte, der dreihundert Langschiffen Platz bot – davon ist kein Stein mehr übrig! – Zwischen 1934 und 1936 fanden auf der Insel Wollin Grabungen statt, die nichts zutage förderten, was auch nur entfernte Ähnlichkeit mit diesen Beschreibungen gehabt hätte. Daraufhin geriet die Sage von Vineta ein wenig in Vergessenheit.

 

Im Jahr 1926 kam das Buch „Arkona-Rethra-Vineta“ von Karl Schuchhard heraus, der in dieser Gegend Forschungen durchgeführt hat. Außer nach Vineta, Arkona und der Jomsburg forschte er auch nach der Burg Rethra.

 

Rethra war der Sage nach eine riesige Burg mit neun Toren, umgeben von einem tiefen See, gelegen am Tollense-Seeufer. Schuchhardt forschte auf Grund der Sagen und stellte dann fest, dass fast alle Sagen von Rethra nicht von einer Burg oder von einem Tempel sondern von einer großen mächtigen und prächtigen Stadt sprachen, die durch ein furchtbares Naturereignis zugrunde gegangen ist. Die Stadt hatte verschiedene Namen, so wurde ihm berichtet: Rethra, Reda, Schöne Reda und NINIVE! Die Sagen erinnern ihn an Vineta. Da erfährt er, dass in einer alten Handschrift des Helmoldus der Name NINIVETA für Vineta vorkommt. Übrigens fanden vor einigen Jahren auch Erkundungen am und im Tollensesee statt, die keinerlei Funde von der großen Stadt oder der Burg zutage förderten.

 

Hier sei noch das Buch „Vineta – Atlantis des Nordens“ von Ingrid Lange, Leipzig 1991, erwähnt. Sie schließt sich der allgemeinen Meinung an, dass Vineta ein normannisches Handelszentrum war, das nach vielen vorhergehenden Zerstörungen um 1180 n. Chr. endgültig zerstört wurde. Sie hält Helmoldus für etwas verwirrt, weil er die Stadt nicht fand, die zu seinen Lebzeiten nach ihrer Meinung noch existierte, weil Adam sie etwa hundert Jahre zuvor rühmte. Doch sie führt auch an, dass selbst die Wolliner etwa 50 Jahre vor Helmoldus jegliche Erinnerung an Vinetas Blütezeit so gründlich vergessen hätten, dass sie Otto von Bamberg, der Wollin besuchte, erzählten, Stettin sei der älteste und vornehmste Ort im Lande!

 

Es ist anzunehmen, dass Otto von Bambergs Reise in diese Gegend geführt hat, weil er von der größten und mächtigsten Stadt Europas gehört hat, die in dieser Gegend liegen soll. Eine solche Reise war im 12. Jahrhundert keine einfache Unternehmung. Man kann annehmen, dass er die anstrengende Reise mit großer Begleitung unternommen hat. Ein Adliger oder Bischof, der er war, verkehrte in Wollin natürlich mit angesehenen und gebildeten Bürgern. Da erfährt er, dass Stettin der älteste und vornehmste Ort im Lande ist. Diese Wunderstadt „Vineta – Ninive – Jumne - Rethra“ gab es zu jener Zeit schon lange, lange nicht mehr. Nur noch die Sagen verkündeten von dieser Stadt, die an der Mündung eines breiten Stromes gelegen haben soll.

 

Eine alte holsteinische Chronik aber, gedruckt im Jahr 1674, erwähnt die Stadt am richtigen Ort. Unter „Wagerland“ ist zu lesen: „Oldenburg ist befestigt gewesen mit einem starcken Walle, in welchem auch ein Schloß erbauet gewesen wider der Dänen Ansturm. Daselbst hat der Herulorum Fürste gemeiniglich seinen Sitz gehabt, und ist eine gewaltige Seestadt gewesen. Hernachmals ist sie verwüstet und verarmet und zum Dorffe geworden.“

 

Bei Oldenburg in Holstein lag die große Stadt. Der Oldenburger Graben war der einstige Kanal zum Meer, der Sage nach ein breiter Strom.

 

In der Chronik findet sich keine Zeitangabe. Die nächste Zeitangabe ist 3.690 v. Chr. Das heißt, daß man die Stadt in der Zeit davor vermutete. In jedem Fall war sie in dieser Zeit weltberühmt, aber es war eine Ruinenstadt.

 

 

 

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